|
cdrnet knowledge home
[Der Autor ist mir bekannt]
Heinrich von Kleist - Marquise von O...
Zusammenfassung
Marquise von O…, eine Dame von vortrefflichem Ruf hat zwei Kinder von ihrem
verstorbenen Mann. Nach dem Tod ihres Mannes, verliess sie ihren Landsitz in
V..., um wieder bei ihren Eltern im Kommandantenhaus zu wohnen. Als Krieg in
der Gegend herrscht, und die Zitadelle von russischen Truppen berennt ist,
erklärt der Obrist gegen seine Familie, dass er sich nunmehr verhalten würde,
als ob sie nicht vorhanden wäre. Bei einem nächtlichen Überfall begegnet MvO
auf der Flucht einer Truppe. Misshandelt erscheint ihr ein russischer Offizier,
welcher sie rettet und in Sicherheit bringt und anschliessend wieder in den
Kampf kehrt. Der Obrist, die weisse Fahne geschwenkt, und MvO aus ihrer
Ohnmacht erholt, begeben sie sich auf die Suche nach ihrem Engel, dem Retter.
Graf F... versichert ihnen sich zu zeigen. Schrecken herrscht, als die Familie
erfährt, dass der Graf im Krieg gefallen ist und seine letzte Worte ‚Julietta!
Diese Kugel rächt dich’ waren.
Alles kehrt nun in die alte Ordnung der Dinge zurück. In der nächsten Zeit
leidet MvO immer mehr an Übelkeit, Ohnmachten und Schwindeln. Bald darauf lässt
der Forstmeister von G..., des Kommandanten Sohn, den Grafen von F... anmelden.
Der Graf erzählt von seinem Leiden in P..., als er in die Brust geschossen
worden war, und bittet um die Hand der MvO. Der Kommandant erwidert, dass M
nach dem Tod ihres Gemahls keine zweite Vermählung einzugehen entschloss, aber
sich nach einer Gedenkzeit vielleicht doch für einverstanden erklärt. Der Graf
solle seinen Verpflichtungen in Neapel nachgeben und ihnen danach für einige
Zeit besuchen kommen. Dieser willigt ein, seine Geschäfte zu erledigen, schickt
aber seinen Adjutanten an seiner Stelle reisen. Doch als die Familie auf seine
Abreise besteht, gibt er sich geschlagen und verlässt das Haus, im Versprechen,
bald zurückzukehren.
Immer mehr verändert sich MvO’s Gestalt und immer häufiger wird sie krank. Ein
Arzt wird zu Rate gezogen, welcher aber die Frechheit besitzt in einem
scherzenden Ton zu sagen, dass MvO ganz gesund sei. Aus Verzweiflung lassen sie
eine Hebamme holen, welche weiterhelfen soll. Im Gegensatz zum Arzt sagt sie
die Wahrheit und gibt kund, dass die Julietta ein Kind erwarten werde. Die
Mutter reagiert vorerst noch gelassen, bis Julietta antönt, dass sie den Vater
des Kindes nicht kennt. MvO wird aus dem Hause verstossen. Als der Vater mit
der Pistole einen Schuss abfeuert gibt sich Julietta geschlagen und reist ab
nach V.... Dort beginnt sie ein neues Leben, wird immer selbstständiger und
widmet sich der Erziehung ihrer Kinder. Mit viel Überwindung entschliesst sie
sich, ein Zeitungsinserat zu schreiben, in welchem der Vater des Embryos
gebeten wird sich bei ihr zu melden. Als eines Tages der Graf von F...
zurückkehrt erzählt der Kommandant ihm von dem unverzeihbaren Vergehen von MvO.
Dieser aber glaubt an die Unschuld von Julietta und geht sie besuchen. Als er
bei ihr erscheint und den Heiratsantrag wiederholt, wimmelt sie ihn aus
Schuldgefühlen ab. Auf das Inserat reagieren die Eltern unterschiedlich. Der
Vater leugnet es ab eine Tochter zu haben und will nichts mehr von ihr wissen.
Die Mutter beschliesst gegen den Willen des Kommandanten, Julietta besuchen zu
gehen und um Verzeihung zu bitten. In der Zeitung erscheint eine Antwort auf
ihr Inserat. Der Vater des Embryos verspricht, sich am 3ten um 11Uhr im
Obristenhaus zu zeigen. Um Julietta ins Elternhaus zurückzulocken, erzählt ihr
die Obristin, der Unbekannte habe sich gemeldet. Es sei der Jäger Leopardo.
Obwohl Julietta den Anblick des Jägers als scheusslich empfindet, ist sie
bereit, sich mit ihm zu vermählen, und zwar aus Familiengründen. Zurück gelingt
es der Obristin, den Obristen von der Unschuld der Julietta zu überzeugen und
der Familie wieder Frieden zu geben.
Am langersehnten 3ten, wartet MvO geduldig auf Leopardo. Deshalb war sie
geschockt und verwirrt, als nicht der Jäger, sondern der Graf von F...
erschien. Julietta sagte, sie sei bereit, sich mit jedem zu vermählen, nicht
aber mit diesem Teufel. Auf Wunsch und Drang des Vaters willigt sie aber doch
ein, zur Hochzeit zu kommen. Der Graf von F... bezieht in der Nähe eine Wohnung
und lässt die Situation erst mal verweilen. Nach einer zweiten, glücklicheren
Hochzeit zieht die ganze Familie (J,G,Kinder) nach V....
Und als er sie eines Tages frage, wieso er ihr wie ein Teufel erschien,
antwortet sie, er würde sich damals nicht wie ein Teufel erschienen sein, wenn
er ihr nicht bei seiner ersten Erscheinung wie ein Engel vorgekommen wäre.
Personal
Marquise von O...
Julietta (von Romeo und Julia)
Vater
Obrist, Kommandant, Graf, Oberst, Thomas
Mutter
Obristin
Graf von F...
Obristenleutnant, Russe
Bruder
Forstmeister
Russischer General
Graf F’s Adjutant
Charakterisierung der Figuren
Die Figuren werden durch direktes Auftreten indirekt, also durch die Dialoge
charakterisiert. Alle Figuren, ausser dem Grafen und der Julietta sind sehr
eindimensional geschrieben. Der Graf ist deshalb eine komplexe Person, weil er
sich ständig vom Guten ins Schlechte und umgekehrt bewegt und dadurch, dass er
auf eine spezielle Weise mit Situationen und Reaktionen umgeht. Julietta
erscheint interessant, weil sie im Verlauf des Buches eine Wandlung durchlebt.
Vom schüchternen, konservativen Mädchen zur selbstständigen, selbstbewussten
Frau.
Spezielles
Skandal
Das Buch wurde ein Skandal bei der Veröffentlichung, weil Julietta nicht der
Norm entsprechend handelt, indem sie das Zeitungsinserat herausgibt. Damals
galt es als eine Verletzung der Ehre ein uneheliches Kind in die Welt zu
setzen. Im Notfall wurde das Kind nach der Geburt eliminiert und nie erwähnt,
sei es in der Familie oder in der Öffentlichkeit. Kam es ans Tageslicht, so
wurde die Mutter mitsamt dem Kind verstossen und dadurch die Zukunft der Frau
ruiniert oder sogar hingerichtet.
Veröffentlichung 1808. Der Skandal bestand nicht unbedingt darin, das M ein
uneheliches Kind erwartete, sondern mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit
tritt (Zeitungsinserat). Zu dieser Zeit hätte eine andere Frau in dieser
Situation höchstwahrscheinlich durch die gesellschaftlichen Zwänge ihr Kind
ermordet, aber M sucht den Vater und will das Kind behalten ->Skandal,
unerhörte Begebenheit!
Die vielen ‚Dass’ von Graf von F...
Die langen Sätze und das plötzliche, hastige Liebesgeständnis lassen auf ein
schlechtes Gewissen schliessen. Der Graf versucht sich zu erklären, macht es
aber nicht.
Der Graf benutzt so häufig „dass“ weil er versucht zu erklären, begründen,
dabei erzählt er schnell und stolpert. Verdacht: Er sucht Ausreden, er macht
Andeutungen, aber verschleiert zugleich. Trotz diesen Andeutungen will M und
ihre Familie nicht erkennen, dass der Graf F näheres mit M zu tun hat ->
Verdrängung.
Keine Parallelhandlungen
In eine Handlung werden Erzählungen/Berichte der indirekten Rede eingebaut.
Erzählform
Man sieht bei den Figuren wenig Innenleben (Gefühle), der Erzähler ist
distanziert und eher neutral. Der Autor kommt nicht oft dazu sich
einzuschalten, denn die Personen sind die ganze Zeit am sprechen in der
indirekten Rede (Wirkung: Wie Konjunktiv, War es wirklich so?)
Abkürzungen
Die Absicht der lästigen Abkürzungen ist der Klang der Sprache. Die fehlenden
Ortsangaben verleihen dem Buch mehr Glaubhaftigkeit. Es scheint als wenn die
Abkürzungen die Identität vertuschen versuchen.
Inzestverhalten?
Küsse zwischen M und ihrem Vater, Händchenhalten; Mutter sieht dabei zu, wäre
gerne in diesem Moment ihre Tochter
Familie
Die Familie hat Kommunikationsprobleme, es gelingt ihr nicht verbal sich über
die Geschehnisse auszutauschen, deshalb nonverbale Mittel, wie beispielsweise
Küsse.
Einigkeit/Ordnung
Einigkeit wird zelebriert, aber es ist meistens nicht alles in Ordnung.
Wunsch: Welt ist in Ordnung, aber die Tatsache dass dies nicht so ist,
beschäftigt Kleist-
Liebe
Umstritten ist, ob MvO den Grafen von F... wirklich liebt. Durch die
erschreckende Reaktion nach dem Scheintod des Grafen und durch andere
Anmerkungen lässt sie den Leser an ihre Liebe glauben. Andererseits aber sagt
sie, dass sie nie mehr heiraten möchte.
Thinka der Schwan
Der Mann der Kot wirft: Der Graf von F...
Kot: Das Schwängern
Thinka mit Kot: MvO, scheu, unselbstständig
Untertauchen: Abgeschiedenheit in V...
Thinka sauber: MvO, selbstsicher, selbstständig
-> Parallele zu M: M taucht ab (verschwindet) und kehrt zurück wieder
völlig rein
Ohnmacht
Das ohnmächtig werden ist eine Art Selbstschutz (Flucht) von Julietta. Auch
bei der Vergewaltigung wird sie ohnmächtig und weicht so der Realität aus.
Verstossen der Mutter:
Das Problem der Mutter besteht nicht darin, dass M ein uneheliches Kind
erwartet, damit könnte sie durchaus leben. Sie hat aber Angst davor, weil M
wahnsinnig werden könnte. Wahnsinn: nicht mehr normal sein, kein bewusstes
Handeln mehr, nicht der Norm (Gesellschaft) entsprechend.
Für Kleist ist hier das Wahnsinnigwerden einen grösseren Normverstoss als das
Erwarten eines unehelichen Kindes. (autobiografisch: Kleist in seinem eigenen
Leben kämpft ebenfalls darum, nicht der Norm entsprechen zu müssen.)
Ende
Vater,Mutter;Graf: Teufel, Engel zugleich. Gegensätze bleiben letztlich
erhalten, werden nicht aufgelöst. M konnte mit diesen Gegensätzen leben, Kleist
nicht (starb an Suizid).
Bis ans Ende bleibt die Zerbrechlichkeit der Welt bestehen (kein
Hollywood-Happy End). Glücksmomente sind immer gefährdet -> es ist nicht
immer alles so toll wie es scheint (heutige Weltsituation)
Autor
Heinrich von Kleist
Gattung
Novelle
fällt zwischen Klassik und Romantik, denn es kommt die heile Welt der Klassik
zum Ausdruck, aber auch die Probleme und dass keineswegs alles perfekt ist.

This work is licensed under a
Creative Commons Attribution-Noncommercial 2.5 License.
|